Schreibtipps für Autoren:
Schreibblockade als Chance

Datum: 23. November 2013 |  Meinungen: 1 Kommentar »
Thema: Medien, Online-MarketingSchlagwörter: , , ,

Kerstin Hoffmann hat zur umfangreichen Blogparade rund um das Thema „Schreibblockade“ aufgerufen. Kurz zuvor hat sie Tipps von 26 Berufsschreibern gesammelt – da sind viele wertvolle Ratschläge dabei. Wenn man die Gründe von Schreibblockaden erkennt, bergen sie trotz aller Nachteile große Chancen – warum, lest ihr hier.

Schreibmaschine ohne Papier
Wer sich durch Schreiben als Expertin positionieren möchte, muss in die Tasten hauen – was aber, wenn man sich blockiert fühlt?

Chance Selbstorganisation: Hügel statt Berge

Woher kommen Schreibblockaden? Weil es keine Themen mehr gibt? Weil man als Autor keine Meinung mehr hat? Ich habe den Eindruck, dass viele Gründe für Schreibblockaden tiefer liegen.

Schreibblockaden können entstehen, wenn man das Gefühl bekommt, am Fuß eines Berges zu stehen. Berge sind riesig, und wenn wir direkt vor ihnen stehen, sehen wir noch nicht einmal ihre Spitze – wer will mir eigentlich sagen, ob der Berg nicht viel höher ist als ich denke? Im Ergebnis fühlt man sich klein und wagt sich nicht an den Anstieg – und wer nicht anfängt, kann auch niemals ankommen.

Die Strategie dagegen ist recht einfach: die Strategie der kleinen Schritte. Man zerteilt den Berg einfach in mehrere Hügel – die wirken überwindbar, ohne sich übermäßig anstrengen zu müssen. Diese Hügel können ganz unterschiedlicher Art sein:

  • Brainstorming für die wichtigen Inhalte – was muss unbedingt in den Beitrag hinein, was ist eher Randthema?
  • eine Gliederung mit den zentralen Argumenten erstellen, sozusagen „Struktur-Hügel“ – das kann so weit gehen, sich für jeden Absatz zu fragen, welche Funktion er im Gesamt-Zusammenhang erfüllen soll
  • die Gesamtaufgabe „neuen Beitrag schreiben“ in kleine Häppchen zerlegen – Aufgaben wie „die zehn wichtigsten Schlagworte suchen, die den Artikel beschreiben“ oder „eine fesselnde Überschrift überlegen“ geht man gerne an, weil das Ziel klar und der Aufwand einschätzbar ist
Aufnahme eines Bergs in den Alpen
Wer seine Aufgaben als Berge betrachtet, kommt kaum hinauf.

Es geht also darum, ein Thema in kleinere Einheiten einzuteilen, die sich besser abarbeiten lassen. Hat man das erledigt, geht das Schreiben oft fast schon von alleine. Man hat ein klares Ziel für den Beitrag und jeden Absatz vor Augen und zugleich einen objektiven Maßstab, welche Fortschritte man bei seinem Schreibvorhaben schon gemacht hat und ob ein Text wirklich erfüllt, was man sich vorstellt. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, wenn man von einer weiteren Ursache von Schreibblockaden betroffen ist: Immer höher, immer schneller, immer weiter.

Chance Anti-Perfektionismus: Ansprüche regulieren

Perfektionismus und Schreibblockaden gehen Hand in Hand. Je wichtiger einem Autor die eigene Leistung ist, umso größer ist die Gefahr, in die Schreibblockaden-Spirale zu fallen: Ich möchte unbedingt gute Texte abliefern, aber was ich schreibe, scheint mir nicht gut genug. Das erzeugt Druck und demotiviert. Also will ich es besser machen – mehr Druck entsteht. Je mehr ich es versuche, umso schneller dreht sich die Spirale. Am Ende beginne ich immer wieder von Neuem, verwerfe meine Ergebnisse sofort, und komme niemals zu einem fertigen Beitrag.

Dagegen hilft nur eine neue Strategie – den Druck wegnehmen. Tut etwas anderes, und vor allem: Genießt es. Auch eine gute Taktik: Schreibt  einmal etwas, das bewusst nicht perfekt ist – eine lose Gedankensammlung, die eure Unsicherheit zum Ausdruck bringt, oder eine Auflistung von Fragen, die euch gerade beschäftigen. Das lässt euch menschlich erscheinen, und wenn ich mich für euch als Autor interessiere, möchte ich euch als Mensch wahrnehmen können – da gehören Zweifel, Unsicherheiten und Fragen dazu. Nicht zuletzt kann mich das auch von eurer Expertise überzeugen, denn große Kompetenz zeigt sich oft darin, dass jemand in der Lage ist, die richtigen Fragen zu stellen.

Zwei Schilder weisen in verwirrend in gegenläufige Richtungen
Auch wer Fragen stellt und auf ungeklärte Aspekte hinweist, kann auf seinem Weg als Autor weiterkommen.

Schreibblockaden sind so eine Chance, die eigenen Ansprüche auf den Prüfstand zu stellen und sich realistische Erwartungen anzutrainieren. Die 37signals-Gründer Jason Fried und David Heinemeier Hansson haben dies in ihrem sehr lesenswerten Business-Buch „Rework“ auf eine einfache Formel gebracht: „Good Enough is Fine“ – Gut genug ist in Ordnung. Nicht jeder Beitrag muss ein Meisterwerk sein – viel wichtiger ist es, überhaupt etwas zu schreiben.

When good enough gets the job done, go for it. It’s way better than wasting ressources on, or even worse, doing nothing because you can’t afford the complex solution. And remember, you can usually turn good enough into great later. (Jason Fried und David Heinemeier Hansson: Rework, Crown Publishing, New York 2010, S. 113)

Chance Flexibilität: Wege aus der Ideenlosigkeit

Schließlich kann es sein, dass eine Schreibblockade entsteht, wenn einem einfach nichts einfallen will – obwohl es Themen in großer Zahl gibt, bekommt man keinen Zugang dazu, was man konkret machen könnte. Vier Ideen möchte ich euch mitgeben, die mir selbst immer wieder geholfen haben:

  1. Themenreihen planen: Ein ganz praktischer Tipp gegen Schreibblockaden können Themenreihen sein. Sie helfen dabei, konstant an Themen zu arbeiten, die einem selbst wichtig sind, und sich zugleich mehr und mehr als Experte zu positionieren. Außerdem helfen Themen dabei, die Inhalte zu reduzieren und zu strukturieren.
  2. Inhalt kuratieren: Inhalte anderer Menschen auszuwählen, zu kommentieren und seinen eigenen Lesern zu empfehlen ist eine wertvolle Aufgabe – natürlich stets mit Quellenangabe und Link. Diese Wegweiser-Funktion hat sehr viel mit gutem Journalismus zu tun und wird umso wichtiger, je mehr Auswahl es gibt. Zudem nimmt sie einer Autorin etwas den Druck, von dem ich vorhin gesprochen habe: Es ist vollkommen okay, Inhalte anderer Menschen zu empfehlen, wenn man selbst gerade keine zündende Idee hat.
  3. Perspektive ändern: Gerade Fachautoren haben hin und wieder Schwierigkeiten, einen neuen Zugang zu ihrem Thema zu finden – sie haben den Eindruck, es sei schon alles in den zahlreichen Artikeln zuvor gesagt worden. Dagegen hilft es, bewusst eine andere Perspektive einzunehmen. Ihr habt bisher für ein Fachpublikum geschrieben? Dann fragt euch einmal, wie ihr das Thema einem Kind erklären könntet. Was denken andere Berufsgruppen über ein Thema, von dem sie betroffen sind – zum Beispiel Programmierer, Entscheiderinnen, Konsumenten? Es spricht übrigens auch nichts dagegen, einmal eine witzige Idee auszuprobieren, die beim Perspektivwechsel gekommen ist – wenn ihr beispielsweise über ein Software-Update schreiben möchtet und der Quelltext sprechen könnte, was würde er über die jüngsten Änderungen seiner selbst denken? Hin und wieder darf es ruhig abwegig werden.
  4. Darstellungsformen ändern: Beschäftigt euch ruhig einmal mit den verschiedenen Darstellungsformen – dazu gibt es ausführliche Literatur beispielsweise aus der Journalisten-Ausbildung oder auch der Literaturwissenschaft. Spielt und experimentiert mit den Darstellungsformen: Verfasst einmal eine Glosse zu eurem Fachthema, oder interviewt euch einmal selbst. Solche Experimente machen Spaß, motivieren und untermauern eure Kreativität.

Wie seht ihr Schreibblockaden, und wie geht ihr mit ihnen um? Habt ihr Tipps?

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