Filme im Fokus:
„Decay“ – Physiker vs. Zombies

Datum: 18. Dezember 2012 |  Meinungen: 1 Kommentar »
Thema: Fotografie & Film, RezensionenSchlagwörter: , , , , , ,

Decay“, ein freier Zombiefilm (CC BY NC von H2ZZ Productions), verlegt die Zombiekalypse an einen ungewöhnlichen Ort – und zeigt trotz gewisser Mängel, was freie Filme zu leisten im Stande sind.

Statt auf Friedhöfen, in Einkaufszentren oder einst dicht bevölkerten Städten spielt „Decay“ an einem ungewöhnlichen Ort: in der Schweiz, um genau zu sein am Large Hadron Collider (LHC). Dort erzeugt man ja bekanntlich gerne schwarze Löcher beschleunigt man gerne kleine Partikel. Als eben jener Teilchenbeschleuniger ausfällt, übernimmt eine Gruppe Doktoranden die Kontrollschicht, während der Rest der Mannschaft nach der Ursache für den Ausfall sucht.

Es geschieht, was geschehen muss: Aus mysteriösen Gründen nimmt der Teilchenbeschleuniger wieder seinen Dienst auf und setzt dadurch unschuldige Forscher schädlicher Strahlung aus. Zombies entstehen je nach Film entweder durch von Strahlung oder durch einen Virus – ersteres ist hier der Fall. Den Rest des Films verbringen die Doktoranden auf der Flucht durch die verwinkelten Gänge des LHC. Entstanden ist der Film übrigens an genau diesem Ort durch Doktoranden des LHC.

Licht…:

„Decay“ ist ein Amateurfilm – aber optisch sieht man ihm das mitnichten an. Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe ist gelungen. Mit Perspektiven und Einstellungsgrößen wird gekonnt umgegangen. Musik, Beleuchtung und Soundeffekte stützen die Stimmung, und ein Lob gilt auch dem Make-Up – die Zombies sehen recht zombiesk aus, und die Opfer werden durchaus realistisch dargestellt.

Zombie im Dunkeln
„Decay“ besticht durch gutes Make-Up und clever eingesetztes Licht

… und Schatten:

Etwas enttäuscht bin ich von der schauspielerischen Leistung – zu oft wollte der Funke nicht so recht überspringen. Nach dem Zombie-Angriff bleiben die Darsteller merkwürdig gefasst – besonders James’ Freundin, mit der er noch zuvor so verliebt geschäkert hat, scheint recht schnell vergessen, um dann später doch noch gesucht zu werden. James’ schleichende Veränderung ist schauspielerisch am besten umgesetzt, aber an vielen anderen Stellen überzeugen die Darsteller nicht so sehr. Ein Continuity-Fehler ist mir noch aufgefallen – wie kann es sein, dass ein Zombie bei 0:57:30 auf dem Bauch liegend aufsteht, in dieser Bewegung erschossen wird und später auf dem Rücken liegt?

Drei Männer und eine Frau in einem Tunnel
Nicht immer überzeugend: Physik-Studenten auf der Flucht

Fazit

Die Kritikpunkte müssen genannt, aber auch relativiert werden – immerhin sind hier Physik-Doktoranden am Werk, keine Film-Studenten. Fein sind übrigens die kleinen Insider-Witze und liebevollen Referenzen an die Physik-Welt – mein Highlight ist die großartige, in Comic Sans gesetzte Huldigung im Abspann.

Die wichtigste Botschaft des Films lautet jedoch: Ja, es geht. Man kann eigene Filme drehen, unter CC veröffentlicht erreichen sie ihr Publikum, und inspirieren wiederum andere Menschen zu eigenen Werken, seien es nun Reviews, Remixe oder neue Filme. Und das ist eine sehr frohe Botschaft für die Kreativen dieser Welt.

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