Lesestoff:
Wahltheater in politisch und visuell

Datum: 06. September 2013 |  Meinungen: 2 Kommentare »
Thema: Lesestoff, Medien, PolitikSchlagwörter: , , , , , , ,

Viel Zeit ist vergangen, seit ich (bzw. mein Delicious-Feed) euch mit neuen Lesetipps versorgt haben. Diesmal dabei: Entscheidungshilfen und Analysen zur kommenden Bundestagswahl, Design-Analysen und praktische Ratschläge sowie zwei Studien zur Netzneutralität.

Sprachlos in unruhigen Zeiten

Quo vadis, Bundesadler?
Quo vadis, Bundesadler?

In wenigen Tagen wird der nächste Bundestag gewählt – und ich bin sprachlos. Vor unseren Augen spielt sich der zahlenmäßig größte Überwachungsskandal der Geschichte ab – mit jedem neuen Informationshäppchen wachsen meine Zweifel an der Demokratie, die zu lieben man mich gelehrt hat. Mit welcher Bereitwilligkeit man sie auf Händen zum Opferaltar trägt, beunruhigt mich zutiefst, und ich leide an der Gleichgültigkeit, die ich von meinen Mitmenschen dafür ernte. Was interessiert schon, wo der Weg hinführt, den wir eingeschlagen haben?

Wer nicht ganz gleichgültig sein möchte, wohin die Reise führt, kann ja am 22. September zur Wahl gehen. Ein paar Informationsangebote, die mir in den letzten Tagen ins Auge gestochen sind:

  • Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2013: Wie zu jeder größeren Wahl ist die Bundeszentrale für politische Bildung auch dieses Jahr wieder mit ihrem beliebten Wahl-O-Mat zur Stelle – die Wahlprogramme der Parteien werden hier zu handlichen Thesen zusammengestampft, die man als Ausgangsbasis einer Wahlentscheidung verwenden kann.
  • Der Kandidaten-Check: Abgeordnetenwatch hat eine Hilfe zur Wahlentscheidung auf Wahlkreis-Ebene entwickelt – PLZ eingeben, Thesen beantworten & Übereinstimmung mit den Direktkandidaten überprüfen.
  • Wahlprogramm der Grünen: Die grünen Ex-Rebellen: Wer mehr Wahl-Entscheidungshilfen benötigt und die digitale Kreativwirtschaft als (mit)bestimmend betrachtet, sollte sich einmal die Serie von Kommunikationsberaterin Nina Galla bei den Netzpiloten anschauen – hier stellvertretend das Parteiprogramm der Grünen; die anderen Parteien werden natürlich auch behandelt.
  • Fährt die Demokratie in der digitalen Welt an die Wand?: Sehr viel Schlaues zum Thema steht in der Berliner Erklärung, in der sich Wissenschaftler besorgt über das Ausmaß der Demokratie-Gefährdung äußern, das wir gerade erleben. Mit-Unterzeichner Thomas Pleil schreibt hier über die Beweggründe der Erklärung.
  • Das Bild ist das neue Wort: Als Medienwissenschaftler und Designer ist die Wahl für mich natürlich nicht nur aus politischen, sondern auch aus kommunikativen und gestalterischen Gründen interessant – und so sei euch der Artikel von Aylin Ünal ans Herz gelegt, der die Bildsprache der aktuellen Wahlplakate in den Fokus nimmt.

 Neuer Lesestoff rund um die Netzneutralität

Netzneutralität – also die technische Gleichbehandlung sämtlicher Datenpakete im Netz – ist eine der Triebfedern der Innovation im Internet – auch wenn das einige Unternehmen anders sehen. netzpolitik.org hat eine interessante Studie von SEO Economic Research zur Verfügung gestellt, die Antworten auf die Frage sucht, wie Netzneutralität die Innovation befördert – spannendes Futter für die nächste Argumentation zum Thema.

Noch eine Studie zur Netzneutralität, diesmal eine Diskursanalyse der Debatte (Lizenz: CC BY NC) von der Universität St. Gallen. Dabei wird fundiert untersucht, wie medial über das Thema diskutiert wird – nicht nur, aber besonders für Medienwissenschaftlerinnen interessant.

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Ein Logo, oder besser 30

Achim Schaffrinna und sein Design Tagebuch (ich hatte es schon einmal hier) schätze ich seit vielen Jahre als Quelle guter Design-Analysen – hier seine Meinung zur aufmerksamkeitsstarken Aktion von Yahoo, die über 30 Tage hinweg täglich eine neue Variation ihres Logos zeigen.

Das neue Logo steht mittlerweile fest und polarisiert ordentlich. Hier ein Video zum Thema:

Mehr für Designer gibt es hier:

  • Designing For Emotion With Hover Effects: Eine der wichtigsten Aufgaben guten Webdesigns ist es, Emotionen auszulösen – ich habe in meinem Buch „Grundkurs Gutes Webdesign“ ausgiebig darüber geschrieben. Dudley Storey erläutert in diesem gut lesbaren Artikel, wie so etwas in der Praxis aussehen kann – kleine Effekte dank CSS3, die eine große Wirkung haben können.
  • Designing For Digital Products: Design von digitalen Produkten wie Websites oder Web-Services funktioniert nach anderen Regeln als klassisches Design – User-Zentrierung spielt eine große Rolle, Flexibilität ist das Thema der Stunde, und eine gewisse Demut gehört für digitale Designer zum Beruf. Cassie McDaniel erläutert in diesem Artikel, woraus es aus Ihrer Sicht dabei ankommt.

Schließlich sollen die Entwickler unter euch nicht zu kurz kommen – der Artikel „Developing for WordPress? Keep your shit secure“ enthält  wichtige Tipps für größere Sicherheit – vieles davon ist einfach umzusetzen, aber wirkungsvoll.

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