Blogger Relations:
Blogs im PR-Mix

Datum: 29. November 2013 |  Meinungen: 7 Kommentare »
Thema: Online-MarketingSchlagwörter: , , , ,

Public Relations (PR) sind ein wichtiges Feld für Unternehmen, und in der digitalen Medienwirklichkeit von heute spielen Blogs ihre Rolle. Welche Gründe sprechen für Blogger Relations, und worauf sollten Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit den digitalen Meinungsführer achten?

Kreidestücke, auf einem steht das WordPress-Logo
Blogs stellen häufig einen Teil im PR-Mix eines Unternehmens dar (Bild: „The Art of WordPress“ von MKH Marketing, CC BY)

Gründe für Blogger Relations aus Unternehmenssicht

Welche Gründe gibt es, überhaupt in Blogger Relations zu investieren? Die Pluspunkte entstehen aus den spezifischen Eigenschaften des Mediums „Blog“:

  • Chance auf unabhängige Meinungen: Blogs werden häufig unabhängig eines redaktionellen Hintergrunds geführt – Autorinnen schreiben ihre persönliche Meinung, und zwar in der Art, wie sie es für richtig halten. Oft handelt es sich um Meinungsführer in ihrem Umfeld – Unternehmen können also von ihrem Einfluss profitieren. Gleichzeitig gilt: Kontrolle abgeben – was ein Blogger konkret schreibt, ist seine Sache. Wer regelmäßige Kontakte zu Bloggern pflegt, hat die Chance, sich einen wichtigen Multiplikator dauerhaft zu sichern – und nimmt man fundiertes Feedback ernst, kann man sein Produkt oder seine Dienstleistung zunehmend interessanter machen.
  • Suchmaschinenoptimierung: Blogs genießen durch ihre Aktualität und ihre Fokussierung auf Inhalte oft einen guten Stellenwert bei den Suchmaschinen – von reinen Spam-Blogs einmal abgesehen. Unternehmen profitieren daher davon, wenn ein Blog einen Link auf die eigene Unternehmens-Website setzt. Sofern dieser Link inhaltlich begründet und nicht etwa durch Geld- oder Sachmittel erworben wurde, ist dagegen auch aus Sicht der Suchmaschinen-Richtlinien nichts einzuwenden.
  • Erschließung neuer Zielgruppen: Blogleser sind häufig treu – sie vertrauen einem Autor und folgen seinen Links und Empfehlungen. Für Unternehmen bietet das die Chance, auf ihre Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen – idealerweise innerhalb der relevanten Zielgruppe. Insbesondere in Branchen, in denen dies über klassische Kanäle nicht mehr gut möglich ist, bilden Blogger Relations daher ein wichtiges Standbein im eigenen PR-Mix.

Für Blogger Relations sprechen eine Reihe von Gründen – insbesondere netzaffine Produkte und Dienstleistungen kommen ohne Blog-Unterstützung kaum noch aus. Allerdings bieten sich auch in anderen Bereichen große Chancen. Berufsbedingt erforsche ich gerade ein wenig, was das Social Web im Bereich des Handwerks zu bieten hat – das ist ein sehr spannender Bereich, der zeigt, dass Blogs auch abseits der digitalen Avantgarde sinnvoll eingesetzt werden können.

Großes PR-Potenzial durch Blogger Relations

Wer mehr handfeste Überzeugungskraft benötigt, um eine Lanze für Blogger Relations zu brechen, findet Antworten in zwei Studien, die in der letzten Zeit veröffentlicht wurden.

Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 verzeichnet beispielsweise in der Nutzung von Blogs einen Anstieg von 7 auf 16 % – was, wie Klaus Eck richtig anmerkt durchaus noch höher sein kann, bedenkt man die Ungewissheit, was denn nun eigentlich alles als Blog gelten kann.

91 % der Befragten geben in einer Studie des Blog-Vermarkters Rankseller an, für Kooperationen mit Unternehmen offen zu sein. Trotz einiger Vorsicht (immerhin geht aus der Rankseller-Pressemeldung nicht hervor, wie die Befragten ausgewählt wurden) zeigen diese Zahlen deutlich: Sowohl von Blogger- als auch Leser-Seite verfügen Blogger-Relations über ein enormes Potenzial.

Tipps für erfolgreiche Blogger Relations

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar persönliche Tipps mitgeben, die mir im Rahmen meines Blogschreibens wichtig geworden sind:

  1. Blogger persönlich ansprechen: Gelungene Blogger Relations basieren darauf, Blogger als Menschen wahrzunehmen – das gilt umso stärker, als gerade unter Bloggern viele Schreiber ohne professionellen Hintergrund anzutreffen sind. Individuelle Anfragen müssen also sein, und dazu gehört natürlich auch, sich etwas Zeit zu nehmen und sich zu fragen, ob das Blog wirklich gut zum eigenen Kommunikationsinteresse passt. Nur, weil ich irgendwann einmal mit einem Designer gesprochen habe, der Mode macht, bin ich noch kein Modeblogger. Erfolgreiche Kommunikation fängt damit an, zuhören zu können.
  2. Etwas zurückgeben: Eng verwandt mit Tipp 2 („Blogger als Menschen wahrnehmen“) ist die Idee, etwas zurückzugeben – das gilt insbesondere, wenn es sich nicht um einen Sponsored Post handelt. Wer etwas aus dem Social Web bekommen möchte, sollte auch etwas zurückgeben wollen. Ideen dazu hat Klaus Eck in seinem Beitrag zur Blog-Parade veröffentlicht, beispielsweise einen Gastbeitrag oder ein Interview im Unternehmensblog im Austausch. Persönlich schaue ich jedoch auch immer, was ein Unternehmen von sich aus im Netz gibt, bevor ich auf eine Anfrage antworte. Praktische Tipps im eigenen Unternehmensblog, Fotos und Texte unter Creative-Commons-Lizenzen oder ein verantwortungsbewusster Umgang mit Kritik über Social Media sind klare Pluspunkte, die mich einer Zusammenarbeit positiv gegenüberstehen lassen.
  3. Vorher fragen: Eigentlich trivial – vor den Blogger Relations steht die Anfrage, ob eine Bloggerin überhaupt dabei mitmachen möchte. Leider nicht immer selbstverständlich, denn manchmal findet man sich ohne thematischen Bezug oder vorhergehende Berichterstattung in einem PR-Verteiler wieder – die Daten seien halt öffentlich verfügbar.

Hintergrund für diesen Beitrag

Die Inspiration für diesen Beitrag verdanke ich Mike Schnoor, der vor einigen Wochen zur Blogparade über Blogger Relations aufgerufen hat. Es bleibt spannend: Die Ergebnisse möchte er in einem E-Book zusammenfassen – ihr werdet hier darüber lesen, denn die Beiträge, die ich bisher gelesen habe, versprechen spannende und inspirierende Tipps und Meinungen rund ums Thema.

Nachtrag (28. Juli 2014): Tino Schade hat sich einige Gedanken zur Ansprache unterschiedlicher Blogger-Typen gemacht, die durchaus lesenswert sind. Er identifiziert darin Linkverkäufer, Geldverdiener, Ego-Blogger sowie Themen-Enthusiasten und gibt Ratschläge für den Umgang mit ihnen.

Welche Tipps habt ihr, um erfolgreich mit Bloggern Pressearbeit aufzubauen? Spielen Blogs in eurem Umfeld eine Rolle?

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Kommentare und Reaktionen

  1. […] “Blogs im PR-Mix” von Björn Rohles / jorni: “Für Blogger Relations sprechen eine Reihe von Gründen – insbesondere netzaffine Produkte und Dienstleistungen kommen ohne Blog-Unterstützung kaum noch aus. Allerdings bieten sich auch in anderen Bereichen große Chancen. Berufsbedingt erforsche ich gerade ein wenig, was das Social Web im Bereich des Handwerks zu bieten hat – das ist ein sehr spannender Bereich, der zeigt, dass Blogs auch abseits der digitalen Avantgarde sinnvoll eingesetzt werden können. […]

  2. Hey Björn, bin durch Mikes Blogparade auf deinen Blog gestoßen, gefällt mir echt gut. Deine Praxis vorher nach Unternehmensinformationen zu suchen halte ich für sehr sinnvoll, denn dadurch kann man sich ein ganz gutes Bild machen. Geben sie quasi nichts von sich preis ist die Authentizität ihrer Anfrage und dem „plötzlichen“ Interesse an Blogger Relations nicht 100%ig gegeben. Wer dagegen selbst bloggt, kann, wie du sagt, auch was zurück geben. Und dann sind wir quasi schon beim Geben und Nehmen einer Beziehung 😉

  3. Ja, ein Unternehmensblog hilft, um sich bei Bloggern zu empfehlen – es können aber auch andere Mittel sein. Letzten Endes geht es darum, ob jemand ernsthaft an Austausch über Social Media interessiert ist. Schließlich geht es nicht nur darum, einen PR-Text nun auch noch auf Blogs zu streuen und ein paar Links zu generieren.

  4. So sehe ich das auch! Aber es scheint noch gängige Praxis zu sein (solange es eben noch funktioniert…). Es werden sich wohl immer Blogger finden, die damit kein Problem haben, aber wie nachhaltig ein solches Engagement für sie und die Unternehmen ist bleibt sehr fraglich.

  5. Bei den Gründen, warum man in Public Relations investieren sollte, wären für mich noch eine zunehmende Transparenz über das eigene Unternehmen und eine steigende Seriosität. Ein ungebundener Blogger schreibt wie erwähnt eben das, was er für richtig hält. Interessierte erhalten somit ein ehrliches Bild und das aus mehreren Blickwinkeln. Als Interessierte wirkt das deutlich seriöser als ein lediglich selbstwerbendes Unternehmen.

  6. Das sind gute Ergänzungen. Seriosität aus meiner Sicht vor allem dadurch, dass man sich als Unternehmen aus freien Stücken heraus dem Dialog stellt – so etwas hinterlässt einen guten Eindruck.