Shirtcity-Redesign: auf dem Weg zu einer besseren Usability?
Von Björn Rohles am 14. März 2009 um 12:10
Auf Shirtcity bin ich damals über den “Lulu & Jimi”-Wettbewerb aufmerksam geworden, und wie ihr war ich ziemlich angenervt über die Seite: zahlreiche Fehler machten die Navigation schon fast zum Glücksspiel. Nun hat Shirtcity allerdings ein Redesign online gestellt und bittet um kritische Anmerkungen. In diesem Beitrag fasse ich meine Gedanken zum neuen Design in Worte – weiter geht’s nach dem Sprung.

Shirtcity in neuem Design
Die Seite präsentiert sich beim ersten Klick in wesentlich überarbeiteter und viel besserer Optik: reduziert, mit vielen dezenten Verläufen und zeitgemäßen Funktionen wie Tag Clouds oder Social Bookmarking. Ohne Javascript ist man allerdings verloren, da dann nicht alle Funktionen und Links funktionieren. Darüber informiert wird man jedoch nicht – wer wie ich Javascript standardmäßig blockt, muss Shirtcity freigeben. Danach stehen aber alle Funktionen zur Verfügung, die ich nun nacheinander durchgehen möchte.
T-Shirt-Designer: einfaches Entwerfen eigener Shirts (und ein paar anderer Sachen)
Da wäre zum einen der T-Shirt-Designer, mit dem man sich auf einfache Art und Weise ein eigenes T-Shirt (oder andere Produkte) gestalten kann. Dabei kann man auf verschiedene Motive, Text (mit teils schaurigen Schriften) oder eigene Bilder zurückgreifen kann. Wer die Bilder haben möchte, muss sich allerdings erst einloggen – ein unnötiges Ärgernis, anstatt einfach direkt ein Bild hochladen und positionieren zu können. Fraglich auch, ob man den T-Shirt-Designer als T-Shirt-Designer bezeichnen sollte, wenn man damit auch Tassen gestalten kann. Unsicher bin ich mir in dem Punkt, ob es gut ist, die Produktauswahl auf die rechte Seite zu setzen: denn immerhin wählt man zuerst die Produktart und erst danach die Gestaltung. Also vielleicht besser die Produktart nach links und die Optionen nach rechts? Apropos Optionen: Wenn man eine neue Option anwählt, lädt die Seite recht lange nach, was ziemlich schnell nerven kann.

Der T-Shirt-Designer erlaubt das einfache und schnelle Erstellen eigener Shirts. Er hat noch ein paar kleinere Schwächen, doch im Großen und Ganzen funktioniert er tadellos
Schön ist allerdings, dass man auf einen Klick die möglichen Drucktechniken erklärt bekommt oder sein Werk weiterempfehlen kann. Auch ansonsten ist der T-Shirt-Designer tadellos: es ist damit ein Leichtes, sich schnell ein eigenes Shirt zu erstellen und direkt zu bestellen.
Shirtcity Shop: komfortable Suche nach Shirts
Zum Shop an sich gibt es wenig zu sagen. Verschiedene Kategorien und Schlagworte helfen bei der Suche nach passenden Shirts, die man dann entweder in den Warenkorb legen oder, wenn die angebotene Auswahl nicht ausreichen, im T-Shirt-Designer weiterverarbeiten kann. Dort kann man dann Schriftzüge nach Wahl integrieren oder weitere Farben auswählen.

Kategorien und Schlagworte machen die Suche nach einem Shirt zum Kinderspiel
Doch man kann hier nicht nur shoppen gehen, sondern auch shoppen gehen lassen. Dazu eröffnet man sich einen eigenen Shop, in dem man eigene Werke unter einer eigenen URL anbieten kann. Hier bekomme ich jedoch irgendwie den Eindruck, dass der Bereich beim Redesign vergessen wurde. Der Text ist unübersichtlich in drei Spalten gequetscht, denen kein Raster zu Grunde zu liegen scheint. Die Typografie ist nicht durchgängig und wechselt in Schriftart, Größe und Auszeichnungen ohne erkennbaren Grund. Technisch scheint alles gut zu funktionieren, wobei ich mir jedoch keinen eigenen Shop angelegt habe, um den Service bis ins letzte Detail zu testen.

Hinweise zur Erzeugung eines eigenen Shops in Shirtcity: unübersichtlich in drei Spalten gequetscht, typografische Variationen ohne erkennbares System
Scribtee: altes System, viele Probleme
Im Scribtee-Bereich kann die Shirtcity-Community eigene Designs einreichen und die anderen abstimmen lassen. Zweimal im Monat wird das Gewinner-Design gekürt, um dann in den Druck zu gehen und dem Designer einen kleinen Geldsegen zu bringen. Der Nutzer kann hier erst einmal unter “Einkaufen” die verfügbaren T-Shirts durchschauen und einkaufen – muss allerdings auf die schönen Funktionen wie Schlagworte oder Kategorien aus dem Hauptshop verzichten.
Hinter “Abstimmen” verbergen sich die eingereichten Entwürfe. Doch auch dieser Bereich scheint nicht überarbeitet worden zu sein beim Relaunch: es gibt noch immer den “Lulu & Jimi”-Bereich, unter dem man die eingereichten Entwürfe einsehen kann – aber nur, wenn man bewusst nach ihrem Namen sucht. Denn im Archiv gibt es nur einen kleinen Teil davon. Auch bei den normalen Shirt-Designs hat sich wenig geändert. Wer sich einloggt, kann die Designs mit bis zu fünf Punkten bewerten, muss sich dazu jedoch jeden Entwurf einzeln anschauen und wieder zur Übersicht zurückgehen. Schade, dass es keine Möglichkeit gibt, die Entwürfe direkt in der Übersicht zu bewerten und per Mausklick als Layer zu vergrößern, wie es auch im normalen Shop gemacht wird. Im Test bin ich auch mehrmals ohne erkennbaren Grund wieder aus meinem Login rausgeflogen – abgemeldet habe ich nicht ein einziges Mal.
Wer sich einloggt, bekommt eine weitere Schwachstelle zu sehen: die nicht intuitiven Icons. Warum ein Sternchen für persönliche Daten, oder ist es ein Männchen? Für Shirtcity steht ein Keil, und MyShirtcity ist ein Pixelhaufen mit einer Lücke. Wenn man auf das kleine Balkendiagramm neben den Fotos klickt, bekommt man nicht etwa eine Statistik (wovon auch immer), sondern eine Größentabelle, hinter der Sternchen stehen (warum stehen dort Sternchen?). Vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken, aber hat nicht schon Steve Krug sein berühmtes Buch über Web-Usability mit “Don’t Make Me Think” beschrieben? Dabei ist die Idee mit den Icons wirklich gut, und auch die grafische Umsetzung gefällt. Vielleicht hilft es schon, sie etwas größer und damit erkennbarer zu machen und aus mehr als neun Punkten aufzubauen. Sinnvoll wäre außerdem, die Links mit einem title-Attribut zu versehen, das dann beim Rüberfahren mit der Maus eine Erklärung abgibt.

Scribtee-Sektion mit unverständlichen Icons – nur eine der kleineren Macken
Die URLs arbeiten noch immer mit PHP-Sessions und sind damit nicht einfach zu verlinken – man muss den kleinen, unscheinbaren Button “Permalink” verwenden und den dort erscheinenden Link kopieren, will man direkt auf ein bestimmtes Design verlinken. Alles andere als intuitiv.
Fazit
Shirtcitys Redesign hinterlässt einen gespaltenen Eindruck: einerseits hat der Shopbereich ein gelungenes Facelifting mit wenigen Schwachstellen erhalten. Große Bereiche scheinen jedoch überhaupt nicht überarbeitet worden zu sein und leiden noch immer an den alten Problemen. Es wäre also mehr als wünschenswert, wenn auch dieser Bereich noch umfassend überarbeitet würde – denn dann wäre Shirtcity eine echte Empfehlung wert.
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