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Digitale Gedanken

Southworth und Hawes: Meister der Daguerreotypie bei den Flickr Commons

Datum: 31. Juli 2008 |  Meinungen: 0 Kommentare »
Thema: Fotografie & FilmSchlagwörter: , , , ,

Nach den Folgen zum Brooklyn Museum und der Bibliothèque de Toulouse sowie zur Library of Congress geht die kleine Flickr-Commons-Reihe in die dritte Runde. Diesmal dabei: Das George Eastman House mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Daguerreotypisten Southworth und Hawes.

Kleines Profil des George Eastman House

Das George Eastman House, benannt nach Kodak-Gründer George Eastman, ist ein Museum in Rochester im US-Bundesstaat New York. Es gilt als eines der bedeutendsten Museen für Fotografie und Film der Welt. Seine Sammlung umfasst Werke der einflussreichsten Fotografen der Geschichte des Mediums: Edward Steichen, Alfred Stieglitz, Henri Cartier-Bresson, Ansel Adams, Lazlo Moholy-Nagy und viele mehr.

Aus der Sammlung: Daguerreotypien von Southworth und Hawes

Southworth und Hawes, die ich bereits als Inspirationsquelle für Portraits behandelt habe, waren ein in Boston ansässiges Fotografen-Duo, die sich auf Portraits im Daguerreotypie-Verfahren spezialisiert hatten. Die Daguerreotypie, eine der beiden ursprünglichen fotografischen Verfahren, arbeitet mit einer Silberplatte als Trägermaterial, die den Werken eine besondere Ästhetik verleiht, die sich nur im Original richtig erfahren lässt. Daguerreotypien wurden vorrangig für Portraits verwendet, mit der man sich an verstorbene oder weit entfernte Menschen erinnern wollte. Walter Benjamin beschreibt in seinem weltberühmten Essay “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” diese Aufgabe:

In der Photographie beginnt der Ausstellungswert den Kultwert auf der ganzen Linie zurückzudrängen. Dieser weicht aber nicht widerstandslos. Er bezieht eine letzte Verschanzung, und die ist das Menschenantlitz. Keineswegs zufällig steht das Portrait im Mittelpunkt der frühen Photographie. Im Kult der Erinnerung an die fernen oder die abgestorbenen Lieben hat der Kultwert des Bildes die letzte Zuflucht. Im flüchtigen Ausdruck eines Menschengesichts winkt aus den frühen Photographien die Aura zum letzten Mal. Das ist es, was deren schwermutvolle und mit nichts zu vergleichende Schönheit ausmacht. (Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, edition suhrkamp, Frankfurt am Main 1966, Seite 21)

Post-Mortem, unbekannte Person: Daguerreotypie als Erinnerung

Post-Mortem, unbekannte Person: Daguerreotypie als Erinnerung

Calvin Ellis Stowe, fotografiert von Southwarth und Hawes, ca. 1850

Calvin Ellis Stowe, fotografiert von Southworth und Hawes, ca. 1850

Benjamins Idee der Aura, mit der er den Unterschied von Kunstwerken wie der Malerei und technischen Kunstwerken wie der Fotografie erklärt, soll an dieser Stelle nicht näher erläutert werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Rolle, die er Daguerreotypien zuschreibt: Fotografie als Erinnerung an andere Menschen. Fotografie erhält hier nicht nur die Bedeutung einer Information, sondern einen kultischen Gebrauchswert. Vor diesem Hintergrund wird nicht nur verständlich, wie beliebt das noch junge Medium der Daguerreotypie war. Vielmehr erklärt sich so auch die Akribie, mit der Daguerreotypisten wie Southworth und Hawes gearbeitet haben. Mit so unterschiedlichen Mitteln wie umgebende Gegenstände oder Gesichtsausdrücke versuchen sie, das Wesen des Menschen hinter seiner Fassade sichtbar zu machen.

Kurze Erklärung: Flickr Commons

Die Flickr Commons sind eine Sammlung von Fotografien aus unterschiedlichsten Museen, die keinem Urheberrecht mehr unterliegen. So sind sie eine hervorragende Quelle, um sich über frühe fotografische Stile zu informieren.

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