Die Geburt einer Schrift: das Beispiel der Anivers
Von Björn Rohles am 13. Juli 2008 um 18:07
Schrift ist für manche Menschen etwas, worüber man nicht nachdenkt: anwählen, Text tippen, fertig. Gerne wird der Schritt mit dem Anwählen sogar ausgelassen, macht Word ja schließlich schon von alleine. Dabei kann Schrift so viel mehr: sie ist der Hauptinformationsträger in jedem Dokument und verdient alleine schon deshalb ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Und sie hat einen enormen Einfluss darauf, welchen Eindruck ein Dokument beim Leser hinterlässt – mal ganz abgesehen davon, ob er es überhaupt lesen möchte.
Es lohnt sich also, sich etwas mehr Gedanken über Typografie zu machen. Am Beispiel von Jos Buivengas Anivers möchte ich aufzeigen, wie viel Liebe zum Detail in einer Schrift eigentlich drin steckt.
Die Anivers als Gestaltungsprozess

Das charakteristische Merkmal der Anivers
Vor kurzem hat Jos Buivenga für das sehr empfehlenswerte Design-Onlinemagazin Smashing Magazine ein besonderes Geschenk entworfen: die Anivers zum einjährigen Geburtstag. In einem kurzen Beitrag über den Entstehungsprozess gibt er Einblicke in die Gedanken eines Schriftdesigners: er geht von einem Detail aus, das er als charakteristisch für seine Schrift ansieht, einem scharfen Element in seinen Buchstaben. Im Bild wurden einige dieser Elemente umkreist.
Anschließend entwickelt er weitere Buchstaben und verändert deren Höhe, bis sie ein harmonisches Textbild ergeben. Danach müssen Abstände angepasst werden, und als Sahnestück gibt es Alternativen für bestimmte Buchstabenkombinationen (etwa das doppelte ff, bei dem die Buchstaben zusammenlaufen).
Das Ganze muss dann natürlich für jeden Schriftschnitt angepasst werden. Da gibt es dann beispielsweise kursive und fette Schriften, die anders behandelt werden müssen als ein normaler Schnitt.
Jos Buivengas Artikel (auf englisch) enthält einige Fachbegriffe, die man im Typographie-Glossar nachschauen kann, ist aber dennoch gut verständlich. Vor allem aber ist er geeignet, einen kurzen Einblick in die gestalterische Arbeit eines Schriftentwicklers zu geben, die immer noch zu wenig gewürdigt wird.
Anivers Regular als freier Download
Die Anivers ist eine schicke, robuste Schrift, die sich für vielfältige Zwecke verwenden lässt. Sie bietet Unterstützung für verschiedenste Sprachen. Den normalen Schnitt – die Anivers Regular – gibt es kostenlos zum Download im MyFonts-Shop. Einfach anmelden und die Schrift für 0 $ in den Warenkorb legen. Dann “kaufen” und runterladen. Die übrigen Schriftschnitte sind günstig zu haben, das ganze Paket kostet 24,95 $. Auf seiner Homepage hat er auch noch einige andere, ganz hervorragende Schriften, die er zum freien Download anbietet.
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Ähnliche Beiträge
Einen Kommentar schreiben
Navigation im Blog
Im Netz gefunden...
- Font Squirrel | Handpicked free fonts for graphic designers with commercial-use licenses.
Umfangreiche Sammlung mit freien @fontface Fonts. Auch kommerziell verwendbar. - Interviews | netpioneers
Fünf spannende (Video-) Interviews mit Pionieren der Netzkunst. - Einsatz und Evaluation von Podcasts und Vorlesungsaufzeichnungen an Hochschulen
Das Head.Z Blog hat eine Sammlung von Evaluationsstudien zum Podcast-Einsatz an Hochschulen zusammengestellt. - Lernplattform zur Geschichte der Pädagogik
Schöne Zusammenstellung einiger Klassiker der Pädagogik. Mit kurzen, verständlichen Erklärungen ihrer zentralen Theorien. - M+ OUTLINE FONTS
Schöne Webfonts zum freien Gebrauch (privat und kommerziell). Die M+ 2p ist ein guter Ersatz für die Frutiger.
Blog-Empfehlungen
