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Digitale Gedanken

Bienvenue en France! Oder: Erste Schritte im Ausland

Datum: 16. April 2008 |  Meinungen: 0 Kommentare »
Thema: ErasmusSchlagwörter: , , ,

Meine kleine Serie über die notwendigen Erasmus-Vorbereitungen wendet sich langsam aber sicher dem Ende zu: Nachdem in der letzten Folge die Anreise auf dem Plan stand, geht es nun um die ersten Schritte nach der Ankunft. Das alles sollte in ganz Frankreich weitgehend gleich sein.

Je suis arrivé(e)… Et maintenant?

Der erste Schritt: man gehe zu seinem Erasmus-Büro. Direkt. Dort trifft man meistens auf sehr nette und extrem hilfsbereite Mitarbeiter. Sie stellen einem einen vorläufigen Studentenausweis aus und können bei allen noch offenen Fragen weiterhelfen. Wer zum Beispiel noch keine Wohnung hat, findet hier oft Listen mit Angeboten. Außerdem erfährt man hier, welche weiteren Termine anstehen, bis man richtig eingeschrieben ist – sofern man das nicht sowieso schon per Brief erfahren hat.

J’ai besoin d’argent…

Ein Bankkonto zu eröffnen ist mehr als empfehlenswert. Es gibt zwar einige Banken, die Kooperationsverträge mit französischen Banken zum kostenlosen Geldabheben geschlossen haben, aber für die meisten landesinternen Bankvorgänge ist ein französisches Konto Pflicht. Zu Anfang des Semesters gibt es meistens gute Angebote speziell für Studenten: oft gibt es Prämien für die Eröffnung eines neues Kontos (zum Beispiel Einkaufsgutscheine), und für das erste (und für Austauschstudenten einzige) Jahr fallen meist keine Gebühren an. Am besten wählt man eine der großen französische Banken, um überall gut und günstig an Geld zu kommen, etwa LCL, Société Générale und BNP Paribas.

Zur Eröffnung eines Bankkontos braucht man aber unbedingt eine Wohnung. Man muss eine Kopie seines Mietvertrages, seinen Personalausweis und eine Bestätigung der Uni mitbringen (Studentenausweis oder jenes vorläufiges Dokument, das man im Erasmus-Büro bekommt). Allerdings sollte man vorher noch einmal nachfragen, was man bei der gewählten Bank dazu braucht, denn das kann durchaus unterschiedlich sein.

Mauer in Lyon, ein Dollarzeichen wurde aufgesprüht

Dollar bringen einen in Frankreich relativ wenig weiter. Doch der Sprayer hatte schon Recht: Geld braucht man.

Etwa zwei Wochen nach der Kontoeröffnung kommt dann auch eine Bankkarte, mit der man schön bezahlen kann. In Frankreich wird mittlerweile nahezu alles über Bankkarte (Caisse bancaire) bezahlt. Hin und wieder bezahlt noch jemand mit einem Scheck (ja, sowas gibt es in Frankreich noch), aber das wird zunehmend seltener.

J’ai encore besoin d’argent…

Frankreich hat eine wunderbare Einrichtung: die CAF (Caisse d’Allocations Familiales). Dieses Amt ist für die Unterstützung hilfebedürftiger Menschen zuständig, und dazu zählen eben auch Studenten. Und zwar inklusive ausländischen Studenten. Bei der Beantragung gibt es Hilfestellung von Seiten der Uni, es gibt dort spezielle Beratungsstellen. Die Höhe der monatlichen Zuschüsse hängt von der eigenen Wohnsituation ab, nicht aber vom Einkommen der Eltern. Im Schnitt waren es in meinem Bekanntenkreis etwa 80 € pro Monat. Eine Beantragung lohnt sich also auf jeden Fall.

Donnes-moi ton numéro…

Ein französisches Handy sollte man sich zügigst zulegen. Gerade am Anfang ist die Internetverbindung oft noch nicht gesichert, so dass das Handy meist der einzige Weg ist, mit anderen Studenten in Kontakt zu treten. Und das heimische Handy wird schnell zur Kostenfalle, wenn man es im Ausland benutzt. Prinzipiel gibt es in Frankreich zwei Möglichkeiten, ein Handy zu bekommen, und zwar…

… über Vertrag

Im Gegensatz zu Deutschland sind Verträge über nur ein Jahr in Frankreich durchaus möglich, oft mit Frei-SMS oder Inklusivminuten. Verträge geben meist auch günstige Konditionen für neue Handy-Geräte. Mir hat man außerdem erzählt, dass es sogar möglich wäre, jederzeit aus dem Vertrag auszusteigen, wenn man wieder zurück ins Ausland zieht. Das kann ich aber aus eigener Erfahrung nicht bestätigen, denn ich habe die zweite Möglichkeit gewählt. Es handelt sich um…

… ein Pre-Paid-Angebot

Pre-Paid-Angebote gibt es von allen großen Anbietern, etwa Orange, SFR und Bouygues Telecom. Pre-Paid läuft in Frankreich aber anders als in Deutschland: das gekaufte Guthaben ist nicht etwa bis zum Aufbrauchen gültig, sondern nur in einer begrenzten Zeit! Das bedeutet: hat man sein Handy aufgeladen, dann aber nicht auf diesen Zeitraum geachtet, verfällt das restliche Guthaben. Die gültige Dauer richtet sich nach der Höhe: kleinere Beträge (10 €) sind meist nur ein oder zwei Wochen, größere (60 €) mehrere Monate gültig. Es kann sich also lohnen, die höhere Variante zu wählen. Im Gegensatz zu Verträgen bekommt man bei Pre-Paid-Angeboten nur sehr schlechte Konditionen für ein neues Gerät. Wer also noch ein altes Handy zu Hause hat, sollte es mitnehmen.

Insgesamt lohnt es sich, die Angebote zu vergleichen, und durchaus auch einmal in mehrere Telefonläden zu gehen. Ich selber habe eine Carte Nomad von Bouygues Telecom gewählt. Dort konnte ich bei jedem Aufladen unter mehreren Optionen wählen, unter anderem einer Option, die mir jeden Tag von 17-24 Uhr sowie am Mittwoch und am Wochenende unbegrenzte SMS garantierte. Das erklärt auch, warum ich laut SMS-Zähler meines Handys bisher 1614 SMS verschickt habe, die Mehrzahl davon ohne dafür zu bezahlen. Praktisch… Und nein, ich werde nicht bezahlt für diese Werbung.

Seinen deutschen Handyvertrag kann man bei den meisten Anbietern übrigens unterbrechen. Er verlängert sich dann um die entsprechende Zeit, aber man bezahlt keine Gebühren. Es ist so, als hätte man für diese Zeit nie ein Handy besessen. Sagt dann aber euren Freunden Bescheid, denn ansonsten erhalten sie komische Mitteilungen, dass eure Nummer nicht existiert, wenn sie euch anrufen.

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