Anregungen zur Portrait-Fotografie
Eine Person zu fotografieren verlangt eine andere Herangehensweise als eine Aufnahme von einem Gebäude. Ein Portrait soll eben jenes sein: ein Portrait. Und da Menschen mehr sind als ihre Gesichtszüge, habe ich mir einige Gedanken gemacht, wie man dieses Mehr darstellen kann.
In Folge 49 von The Candid Frame sagt Erin Manning so schön:
(…) be sensitive to what’s happening with that person in front of the lens. Because it really is all about them right now. It’s you connecting with them and capturing that personality. (…) You need to kind of follow people around and pay attention. (…) Pay attention and care about other people. (Erin Manning)
Es geht also um mehr als nur eine Person abzulichten. Es geht darum, ihre Persönlichkeit abzulichten. Ein paar Ideen, wie ich versuchen würde, diesem Anspruch gerecht zu werden:
- Sprecht mit der Person. Was ist sie für ein Mensch? Was interessiert sie?
- Hängt euch der Person an die Fersen. Wo hält sie sich gerne auf, wie fühlt sie sich wohl?
- Notiert euch Auffälligkeiten. Was ist der wichtigste Charakterzug dieser Person (in eurer und/oder ihrer Sicht)? Was macht sie einzigartig (Verhaltensweisen, Meinungen)?
- Überlegt euch, wie ihr das darstellen könntet. Welche Orte eignen sich dafür? Soll die Person sitzen oder stehen? Und wie? Was soll der Blick ausdrücken? Welcher Gesichtsausdruck scheint passend?
- Macht Bilder. Eure Überlegungen sind ein Ausgangspunkt, aber meistens werdet ihr dabei nicht stehenbleiben. Fotografie hat sehr viel damit zu tun, einfach offen zu sein für das, was passiert, oder für das, was eine Person tut. Vielleicht findet ihr dabei ein besseres Portrait als durch eure Überlegungen.
Auf der einen Seite glaube ich also, dass man sich Gedanken machen muss, um konstant gute Fotos zu machen. Auf der anderen Seite muss man aber offen genug sein, um den Zufall gewinnen zu lassen. Dennoch sind Überlegungen nicht umsonst, weil sie Wege eröffnen, an die man sonst nicht gedacht hätte. Und weil sie den Blick öffnen für Situationen, die für das eigene Ziel bedeutend sein können.
Chance favors the prepared mind. (Louis Pasteur)
Dieser Beitrag ist nichts mehr als ein paar Anregungen zur Portrait-Fotografie, die ich in der nächsten Zeit versuchen werde, in die Tat umzusetzen. Ich habe hier bewusst die Studio-Fotografie ausgeklammert und damit den Versuch, alle Aspekte möglichst gut kontrollieren zu können. Wie immer interessiert mich brennend eure Meinung zu diesem Thema: habe ich etwas übersehen?
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Wer noch über diesen Beitrag geschrieben hat
- Portraits und Daguerreotypien: neue Anregungen | Blog von Björn Rohles
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Portraits und Daguerreotypien: neue Anregungen






was ich beim fotografieren bisher auch immer interessant fand, war das bewusste spielen mit rollen und inszenierte atmosphäre, mit bestimmter musik beispielsweise. einem menschen eine geschichte in den kopf bringen, bevor man ihn fotografiert – phantasie ist noch immer der schlüssel zu jeder seele, oder so ähnlich.
ich glaube, man kann sich noch so viel überlegen und mit dem menschen auseinandersetzen, wenn du ihn nicht dazu bekommst, in dem moment, in dem du ihn fotografierst, loszulassen, wird’s schwierig – obwohl… im zweifelsfall hilft ja vielleicht auch ein glas sekt.
ein wichtiger aspekt, den du da nennst. wie konnte ich den übersehen? schäm dich, böses hirn…
in dem zusammenhang fällt mir ein, wie es mein dozent burkhard langer für seine portraits gemacht hat: er hat alles fertig aufgebaut und den finger am auslöser gelassen – dann aber gewartet. nach einiger zeit haben die menschen vor der kamera dann nicht mehr daran gedacht, dass sie eine kamera vor sich haben, und vollkommen ruhig geschaut. das war dann der moment, in dem er abgedrückt hat. das ergebnis waren dann immer ruhige, ausgeglichene, aber ungemein ausdrucksstarke mienen.