Mission Impossible: Spanisch lernen

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Einige von euch wissen es ja bereits – ich bin immer noch beim Versuch, die spanische Sprache zu meistern. Wobei “meistern” sicherlich etwas zu viel gesagt ist. Wäre schon gut, wenn ich sie ansatzweise handhaben könnte. Ungünstigerweise wurde in den letzten Monaten mein Spanisch-Wissen von meinem Französisch-Wissen überschrieben. Wenigstens zum Teil überschrieben. Höchste Zeit, da etwas dagegen zu unternehmen.

Also ab zum Spanisch-Kurs in Frankreich. Wir kennen ja das verworrene Prozedere in Deutschland: sich anmelden, eine Begründung angeben, warum man unbedingt Spanisch lernen will/muss, und hoffen. Der Zeitpunkt der Anmeldung spielt keine Rolle. Was allerdings wirklich eine Rolle spielt, weiß ich auch nicht. Ist man dann mal im ersten Kurs, darf man die folgenden auch machen. Gewonnen!

Tag 0: Das Vorgeplänkel

Also, nun in Frankreich. Anmelden an einem speziellen Rechner, mit Unterstützung einer Assistentin. Die wundert sich dann auch schon, warum man Spanisch lernen will, obwohl man es nicht muss. Schnell das eigene Niveau abgeschätzt, dann eintippen, und am ersten Tag mit sieben oder acht anderen Studenten im Raum zum Spanisch-Lernen sitzen. Einfach, schnell, effektiv. 1-0 für Frankreich.

Tag 1: Die erste Stunde

Doch dann geht’s los. Bücher? Fehlanzeige, wenigstens im B1-Niveau. Dafür bekommt man erst einmal einen Zettel. Zettel sind immer gut, denkt man sich, weil wichtig. Also mal lesen. Vier Kompetenzen also, CE, CO, EE und EO, alle gut erklärt. Dann muss man fünf Arbeiten abgeben, davon drei mit was Schriftlichem dazu geschrieben. Die heißen dann TE. Und ich dachte schon, nur bei den Juristen und bei der Bundeswehr würden sie Abkürzungen so mögen. Trotzdem, so weit noch alles ganz verständlich.

Nach unten gucken, auf die zweite Hälfte des Zettels. “Mein Projekt” steht da, also, das steht da nicht, weil da steht “Mon projet”, aber das ist ja “pareil”. Scheint so, als müsste ich was von meinem Projekt erzählen, was immer das sein soll, und welche Mittel oder Dokumente ich dafür einsetzen will. Dazu gehört dann das Datum, wann ich das zu tun gedenke. Klingt schon mal komisch, aber noch ist ja nicht alles verloren.

Dann blättert man um. Liebes Gehirn, bitte merken: Niemals umblättern! Umblättern ist böse! Aber nun ist es ja zu spät. Tabellen-Manie. Diesmal allerdings auf Spanisch, aber dafür sind wir ja hier. Ganz links steht was von Aufgabe, dann der Titel des Dokuments und der Zeitpunkt der Bearbeitung. Dann verschiedene Sachen, die man so falsch machen könnte. Zu allen diesen Sachen muss der Student dann eine Bewertung abgeben. Der dazugehörige Bewertungsschlüssel wird einem nach der Stunde nach liebem Nachfragen gegeben werden, aber das weiß man ja noch nicht. In der nächsten Spalte schreibt dann der Professor seine Bewertung rein. Dann muss man noch angeben, was man gemacht hat, um das Ganze zu vertiefen. Und man muss seine Schwierigkeiten beschreiben. Ganz am Ende noch ein paar Anmerkungen. Insgesamt gibt es von den Tabellen-Teilen drei Stück. Und noch eine leere Seite, aber das ist ein Fehler des Druckers.

In der Stunde dann kryptisches Gerede über “Autonomé Guidée”. Mal schnell im körpereigenen Französisch-Wörterbuch nachschlagen. “Geleitete Autonomie”, wenn ich mich nicht täusche. Was das ist, weiß ich nicht. Klingt auf jeden Fall schon mal komisch. Aber mal abwarten.

Nach der Stunde dann mal zur Professorin gehen und unschuldig nachfragen. Man ist ja schließlich Ausländer, also her mit der Extrawurst. Jene Professorin ist übrigens die netteste, die ich bisher hier getroffen habe (und es gibt viele nette Professoren hier). Sie nimmt mich mit in ihr Büro und erzählt mir eine Stunde lang, wie das Spanisch-Lernen hier so vor sich geht. Zuerst einmal gibt sie mir aber viele Zettel. “Ratschlag für X”, “Ratschlag für Y” steht da, auf Französisch. Ziemlich viel, ziemlich klein gedruckt. Schnell in die Tasche stecken, zum Lesen für später. Erst mal aufmerksam zuhören.

“Autonomie Guidée”, ach ja, “geleitete Autonomie” ist gar nicht so falsch. Man soll sich selbst aussuchen, was man lernen will, wo man am meisten Probleme hat. Mache ich doch sowieso. Dann muss man das da in die Tabelle schreiben, da wo “Projekt” steht. Okay. Jene Tabelle muss man nächste Woche abgeben. Da soll dann auch draufstehen, wann man was machen will, und nach jeder Aufgabe soll man sich bewerten. Den Schlüssel dafür hat man gerade eben bekommen. Mein Kopf raucht, aber zum Glück gehen wir jetzt mal gucken, wo ich mir meine Projekte raussuchen kann.

Die Materialien dazu stehen in einem von zwei speziellen Räumen, einen für Multimedia-Kram und einen für Dokumente. Der Multimedia-Raum ist für CD-Roms, DVDs und Online-Präsenzen gedacht, für die die Uni Zugänge hat. Da muss man dann aber aufpassen, weil die erreicht man nur von bestimmten Rechnern, und da darf man dann kein Passwort eingeben, auch wenn das da steht. Aber zum Glück gibt es Mitarbeiter, die einem dabei helfen. Trotzdem: insgesamt wäre es besser, zuerst mal in den Dokumente-Raum zu gehen.

Also machen wir das. Dort gibt es auch eine Mitarbeiterin, die einen nett begrüßt. In einem Schuber stehen verschiedene Arbeitsmaterialien, teilweise mit Kassetten. Die kann man nehmen und machen. Am Ende sind dann gelbe Zettel, da sind die Lösungen drauf. Damit soll man dann überprüfen, was man falsch gemacht hat, und mit einem andersfarbigen Stift markieren. Davon ausgehend soll man dann die Tabelle ausfüllen. Das steht aber alles auf einem der Zettel, wie ich am nächsten Tag herausfinden werde. Über die ausgefüllte Tabelle muss ich an einem bestimmten Tag in einem 15 Minuten langen Gespräch übrigens Rechenschaft ablegen. Habe ich das schon erwähnt?

Anschließend meldet man sich in einer Online-Gruppe an. Da findet man viele Dokumente, aus denen man mit Hilfe eines Druckers Zettel machen könnte. Ein Teil jener Dokumente ist einem soeben in Form von Zetteln ausgehändigt worden. Aber nicht alle, man solle also ruhig alles mal anschauen. Ich denke mir: nichts vornehmen für morgen, ich muss Zettel lesen. In der Online-Gruppe gibt es einen besonderen Ordner, in dem sich Vorschläge befinden, was man so machen könnte, um seinen Plan auszuführen, Spanisch zu lernen. Ach stimmt, deswegen bin ich ja hier. Eben jene Dokumente werde ich am übernächsten Tag nicht finden, als ich sie suchen gehe. Ich habe nämlich die Aufstellungssystematik nicht geblickt. Aber das weiß ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Nun zum Entscheidenden. Man muss sich einschreiben, damit man in die Räume rein darf. Das geht mit Hilfe der Studentenkarte. Ist aber auch echt schnell gemacht. Cool, denke ich mir, dann kann ich ja jetzt mit Spanisch-Lernen anfangen… Ach nee. Echt nicht? Ach so, ich muss mir einen Arbeitsplatz reservieren. Das geht online, über eine weitere Online-Präsenz. Die heißt so und so, ich darf aber kein www davor schreiben, dann geht es nicht. Okay, alles klar. Ich kann also einen Arbeitsplatz reservieren, und bis zum Vortag kann ich meine Reservation wieder zurücknehmen. Reservieren darf ich den Arbeitsplatz für zwei Stunden. Das kommt mir komisch vor: Warum kann ich nicht so lange arbeiten, wie ich möchte? Zumindest, wenn sonst niemand meinen Platz braucht? Am übernächsten Tag werde ich einfach länger sitzen bleiben, und es wird auch keiner was sagen. Aber das weiß ich ja jetzt noch nicht.

Tag 2: Die Zettelwirtschaft – und ein Skript

Am nächsten Tag lese ich dann Zettel. Bisher habe ich alles in allem geschätze sechs oder sieben Stunden damit verbracht, die Bürokratie zu verstehen, die ich zum Spanisch-Lernen absolvieren muss. Spanisch habe ich noch nicht gelernt.

Abends trage ich mich dann für einen Arbeitsplatz ein. Das ist aber gar nicht so einfach. Ich gucke nach, ich habe wirklich kein www eingegeben. Links auf der Seite stehen die Öffnungszeiten, die sind ganz okay für Frankreich (jeden Tag acht Stunden, außer am Wochenende). Oben steht “Document sans titre”, hat wohl einer das Titeleingabefeld in Frontpage nicht gefunden. Aber nun gut, man ist ja nicht hier, um sich länger dort aufzuhalten. Ansonsten steht da allerdings nichts.

Nichts von wegen “eintragen”? Wo trage ich mich denn nun ein??? Mal scharf nachdenken. Die Lösung ist schnell gefunden: NoScript, das ist eine Erweiterung für Firefox, die ich installiert habe. Sie bewirkt, dass Skripte nur ausgeführt werden, wenn ich sie für eine Homepage erlaube, der ich vertraue. Skripte stellen nämlich eine Sicherheitslücke dar. Nun, der Uni Lyon kann man wohl vertrauen. Trotzdem: Ähnliche Sicherheitseinstellungen gibt es oft, so dass manche Leute das Eintrage-Feld nicht sehen können. Sie werden allerdings nicht, wie es eigenlich sein sollte, von der Seite darüber informiert, dass hier was fehlt. Ob jeder dieser Nutzer auf die Idee kommt, dass es vielleicht an Skripten liegen könnte? Ich bezweifel das. Ich möchte jetzt hier nicht in Skript-Details gehen, aber so macht man es sicher nicht.

Tag 3: Das erste spanische Wort

Am nächsten Tag gehe ich dann in eben jenen Dokumente-Raum. Dort erfahre ich dann, dass mein Wörterbuch, mit dem ich arbeite, nicht über die Tischkante hinausragen darf. Es könnte dann nämlich runterfallen. Steht wohl auch auf einem der Zettel, habe ich bestimmt übersehen.

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Eine Reaktion zu „Mission Impossible: Spanisch lernen“

  • 1 Katrin am 9. Februar 2008 um 22:50 Uhr

    Sehr tapfer, dass Du noch nicht aufgegeben hast. Hast Du doch noch nicht, oder? :-D Erinnert mich an Schweden, nur dass die dort nicht so schicke Namen für ihre Lernprogramme haben – Autonomie Guidée *kopfschüttel*. Viel Erfolg noch und viel Spaß!

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