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Digitale Gedanken

Ceci n’est pas un film: vor dem Frankreich-Aufenthalt

Datum: 09. Januar 2008 |  Meinungen: 3 Kommentare »
Thema: ErasmusSchlagwörter: ,

Anfang Januar 2008, mein erstes französisches Semester neigt sich dem Ende zu. Deshalb möchte ich in loser Folge darüber berichten, was man meiner Erfahrung nach alles beachten sollte, wenn man es mir gleichtun möchte und sich ernsthaft bei den Franzosen (besonders jenen in Lyon) einquartieren möchte.

Die Bürokratie, Teil 1

Am Anfang eines jeden Auslandsaufenthalt steht vor allem eines: Papier. Dazu können aber andere mehr und besser Auskunft geben, man frage also jemandem, der sich mit sowas auskennt. Das sollte man allerdings auch tun, immerhin ist Herr Erasmus ein guter Mensch und gibt einem später Geld dafür. Die Sache mit den Kursen sollte man allerdings nicht zu sehr planen. Denn 1. ist es meistens gar nicht mal so einfach, die ein halbes Jahr vorher zu finden, und 2. ändert sich vor Ort eh noch einmal alles und 3. gibt es sowieso noch mal extra Papiere, die man vor Ort ausfüllen muss und 4. bekommt man dann meistens in den Seminaren erzählt, dass man noch diese oder jene Vorlesung machen muss und so weiter und so fort.

Nur keine Angst: Lernt den Satz “Je suis un étudiant Erasmus” auswendig. Da werden Sie geholfen.

Zu dir oder zu mir? (vom Finden einer Wohnung)

Brücke in Lyon

Obwohl es in Lyon (und je nachdem auch in anderen Städten Frankreichs) einige Brücken gibt, eignen sie sich nicht ernsthaft als Dach über dem Kopf. Die zuständigen Ämter an der Uni erkennen eine Adresse wie “Pont Guillotière” nicht an, leider. Bleibt also nur, sich nach einer Bleibe mit einer richtigen Adresse umzusehen.

Nun könnte man sich natürlich in einem Wohnheim einquartieren. Diese Möglichkeit wird einem auch schön angeboten, wenn man an einer Uni angenommen wurde und die Unterlagen erhält. Normalerweise ist das auch kein größeres Problem, denn Austauschstudenten werden fast immer bevorzugt bei der Platzvergabe. Meiner Meinung nach sollte man damit aber dennoch vorsichtig sein. Man kann nämlich entweder großes Glück haben (soll heißen: alles super) oder extrem großes Pech. Wenn man Pech hat, lebt man in einer kleinen Bruchbude mit Gemeinschaftsbadezimmer und -küche (im Schnitt drei Kochplatten für 500 Leute) und hat wenig Kontakt zu echten Franzosen. Besuch darf man dann in einem solchen Fall meistens nach 22 Uhr auch nicht bekommen, schon gar nicht über Nacht, also nichts mit Besuchen aus dem Ausland. Schwierig schwierig schwierig.

Ich habe mich deshalb für eine richtige Wohnung entschieden. Die ist aber auch nicht so einfach zu bekommen: die meisten Vermieter verlangen nämlich einen Garanten, der für die Miete gradesteht. Trotz allgemeiner Globalisierung muss das jedoch meistens ein Franzose sein. Da kann man als Ausländer schnell aus dem Rennen raus sein. Außerdem sollte man darauf achten, dass jedes Jahr zum 1.1. eine Art Wohnsteuer fällig wird, unabhängig davon, wie lange man schon in Frankreich lebt oder noch leben wird.

Außerdem kann man versuchen, in einer Familie unterzukommen (meistens findet man sie bei den Links, die ich unten angegeben habe). Das ist aber auch nicht jedermanns Sache, weil es mit einigen Einschränkungen verbunden sein kann. Eine Freundin von mir darf zum Beispiel ihren Ofen nur äußerst selten benutzen (weil Strom ja so teuer ist) und nur zu bestimmten Zeiten duschen. Andererseits kann man auch besondere Vereinbarungen treffen, zum Beispiel Mietminderungen, wenn man gelegentlich auf die Kinder aufpasst. Und man hat natürlich direkt Kontakt zu Franzosen. Viele meiner Bekannten waren sehr zufrieden in den Gastfamilien. Es kommt also eher auf den Einzelfall an und auf die eigene Person.

Die meiner Meinung nach beste Lösung ist eine WG (auf Französisch: “colocation”). Besonders eine mit Franzosen. Das klappt meistens überraschend gut: Ein Erasmus-Student ist nämlich meistens ein willkommenes Element in einer WG, weil er neue Ansichten mitbringt und interessante Sachen erzählen kann. Suchen kann man gut auf folgenden Seiten:

Meistens kann man auf solchen Seiten auch Anzeigen aufgeben oder ein eigenes Profil anlegen, was ziemlich hilfreich sein kann. Manchmal muss man ein bisschen was bezahlen, um an Adressen und Telefonnummern ranzukommen, das lohnt sich aber fast immer. Und natürlich gilt: je früher man anfängt, umso entspannter wird die Suche laufen.

Eine andere Möglichkeit: sich in Lyon bei Freunden oder in einer Herberge einquartieren und direkt vor Ort suchen. Das hat den Vorteil, dass man sich Wohnungen anschauen und Mitbewohner kennenlernen kann, außerdem helfen einem die zuständigen Erasmus-Ämter meist mit Adressen. Im Notfall kann man immer noch in einem Wohnheim nachfragen, ob noch Zimmer frei sind. Wer also übers Internet im Vorfeld keine Wohnung findet: Bloß keine Panik! Ich kenne niemanden, der vor Ort nichts gefunden hat. Die anderen Studenten und die Zuständigen in den Erasmus-Ämtern sind meistens sehr hilfsbereit.

Damit endet mein erster Teil mit Tipps zum Frankreich-Aufenthalt. Mehr folgt später. Bis dahin: Ride on Cowboy!

3 Reaktionen zu „Ceci n’est pas un film: vor dem Frankreich-Aufenthalt“

Wer noch über diesen Beitrag geschrieben hat

  1. Vor dem Erasmus-Jahr: vom Finden neuer Freunde | Blog von Björn Rohles
  2. Sortir à Lyon, oui... mais où? | Blog von Björn Rohles
  3. Crossing Jordan. Oder: wie man nach Lyon reisen kann | Blog von Björn Rohles

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