Bitte, lasst mich arbeiten…!
Von Björn Rohles am 03. Dezember 2007 um 15:53
Ihr kennt doch bestimmt das Duracell-Häschen, das mit besagten Batterien gefüttert wird und läuft und läuft und läuft… Hier in Frankreich ist es ganz ähnlich, nur dass eben nichts läuft und nichts läuft und nichts läuft…
Die Unmöglichkeit der Arbeit, Teil 1
In einem früheren Beitrag habe ich ja schon auf meine streikende Uni hingewiesen. Die Hintergründe dieses Streiks habe ich kurz in einem anderen Beitrag beleuchtet, wobei ich durch meine immer größer werdende Wut, aber auch die jüngeren Geschehnisse langsam den Eindruck gewinne, dass es hier längst nicht mehr um Gesetze geht – sondern einfach nur noch “l’art pour l’art”, soll heißen, Streik um des Streiks willen.
Eine kurze Chronologie der Streikereignisse an der Uni:
- 12. November 2007: Nach vielen Manifestation hat eine Vollversammlung der Studis beschlossen, die Uni in Bron zu blockieren. Und so stehe ich an diesem Tag vor verbarrikadierten Unitüren, meine Klausur fällt aus.
- 15. November 2007, 13 Uhr: Eine weitere Vollversammlung beschließt, auch den zweiten Campus in Lyon selbst zu blockieren.
- 15. November 2007, 17 Uhr: Der Präsident beschließt, die komplette Universität inklusive Mensa und Bibliothek zu schließen, damit keiner streiken oder blockieren kann. Ätsch.
- 19. November 2007: Der Präsident öffnet die Uni wieder und ruft zu politischen Debatten auf. Die Kurse fallen daher aus, aber selbst wenn nicht, blockiert wird trotzdem weiter. Ätsch.
- 20. November 2007: Der Präsident ruft zu politischen Debatten auf. Rest siehe Vortag.
- 21. November 2007, 8 Uhr: Der Präsident stellt ein Voting online, an dem alle Studierenden und Bediensteten teilnehmen sollen. Die Streiker und große Teile der Professoren stellen sich gegen das Voting: Da man sein Passwort eingeben muss, sei es nicht anonym und daher undemokratisch. Sie wollen nur die Entscheidungen der Vollversammlungen anerkennen.
- 21. November 2007, 18 Uhr: Das Voting ist vorbei. Teilgenommen haben etwa 3000 Personen, die große Mehrzahl war für eine Wiederaufnahme der Kurse. Der Präsident ist happy und verkündet, dass ab morgen die Kurse wieder weitergehen.
- 22. November 2007: Studenten blockieren die Uni. Auf Nachfrage von jorni.de erklären sie, dass sie die elektronische Abstimmung nicht anerkennen und lieber ne neue Vollversammlung machen.
- 27. November 2007: Der Präsident kommt auf die Idee, einen runden Tisch einzuberufen, an dem auch Abgeordnete der Streiker teilnehmen sollen. Gute Idee, und nur drei Wochen nach Streikbeginn.
- 28. November 2007: Der runde Tisch ist vorbei. Angeblich sei alles in einer guten Stimmung abgelaufen. Der Präsident verkündet, dass er eine Abstimmung ansetzen will, die diesmal demokratischen Richtlinien entsprechen soll. Gute Idee.
- 28. November 2007: Ein paar Studis klauen Alk aus nem Supermarkt. Ob das Streiker sind, weiß keiner (bzw. weiß jeder, aber ich weiß nicht, wem ich glauben soll).
- 29. November 2007: Der Präsident macht die Uni wieder zu. Keine Bib, keine Mensa, kein Streik, keine Vollversammlung. Ätsch.
- 29. November 2007: Die Streik-Studis ziehen durch Lyon. Ist ja auch ne Vollversammlung, nich… ?
- 3. Dezember 2007: Der Präsident macht die Uni wieder auf. Die geheime Wahl findet statt.
- 3. Dezember 2007: Der Präsident macht die Bib und die Mensa zu. So kann keiner dort arbeiten bzw. essen und hat genug Zeit, zur Wahl zu gehen. Ätsch.
- 3. Dezember 2007: Die Streik-Studis positionieren sich vor dem Wahleingang und verteilen Flyer. Auf eben jenen wird vermerkt, dass sie die Entscheidung der geheimen Wahl nicht anerkennen wollen und zum Boykott aufrufen. Lediglich die Entscheidung der Vollversammlung sei verbindlich. Eben jene findet zeitgleich zur Wahl statt. Ätsch.
Ich sage jetzt nichts dazu, wie ich es finde, höchstwahrscheinlich auch in der vierten Woche noch keine Uni zu haben.
Die Unmöglichkeit der Arbeit, Teil 2
Heute war ein guter Tag. Ich bin hochmotiviert aufgestanden und zur Bibliothek gepilgert, um zu arbeiten. Damit hatte ich aber nicht soooo viel Erfolg: die war nämlich zu. Ätsch. Vielen Dank, Mr. President. Aber ist ja kein Problem: Es gibt ja auch noch städtische Bibliotheken, die sind eh viel besser. Ätsch.
Ich also zur Bibliothèque Municipale de la Part-Dieu. Die ist cool, sie ist nämlich die größte Bibliothek im zweitgrößten Land der EU (nach Einwohnern und richtig, nach Deutschland). Nun wäre das aber alles zu einfach. Denn sie hatte natürlich zu, weil Montag ist. Ätsch. Die größte Bibliothek im zweitgrößten Land der EU hat also montags zu, weil Montag ist ein ganz normaler Arbeitstag, aber unmittelbar nach dem Wochenende, und das ist ja doof.
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